Montag 16.03 2020. Die Schulen von unseren 3 Kindern sind geschlossen. Ich habe eine Grippe und am Vorabend hatte ich mich beim Land - und Tierwirtschaftlichen Betrieb Nooren abgemeldet. Eigentlich wollte ich in dieser Krise unterstützen, und die jüngeren Kinder von Kollegen und Mitarbeitern meines Mannes Jan, betreuen.
Jetzt schleppe ich mich krank durch das Haus. Meine eigen Kinder sind aufgeregt „Corona Ferien“ Ich überlege mir, wie die Kindern an ihren Schulstoff kommen sollen, aber erst muss ich mich um meine Gesundheit kümmern.
Ich rufe eine Praxis nach der anderen an. 2 Praxen sind zu. Bei der 3. Praxis wurde mir gesagt, dass ich mich beim Gesundheitsamt melden sollte. Ich hatte Fieber, Husten und fühlte mich kraftlos. Sollte es etwa Corona sein, das ich mir vielleicht eine Woche vorher in den Niederlanden geholt habe? Ich bleibe zu Hause und meide strikt jeden Kontakt zur Außenwelt. Lese und schaue mir viele Nachrichten über das Corona Virus an. Immer mehr wird mir bewusst, dass hier eine unübersehbare Welle auf uns zukommt. Angst und das Gefühl, handeln zu müssen macht sich in mir breit. Doch die Energielosigkeit der Krankheit lähmt mich und so bin ich gezwungen, mich auszuruhen. Hilflosigkeit, Angst und das Gefühl, alleine zu sein, begleiten mir die kommenden Tage.
Am dritten Tag nehme ich wieder eine heiße Badewanne. Ich höre von draußen das Singen der Vögel und langsam wird mir bewusst, dass die heutige Situation alte Gefühle in mir wachruft, die ich als Kind durchstehen musste. Das Gute daran ist, dass es mir jetzt deutlich bewusst ist: was damals war, ist jetzt vorbei.
Ich habe andere Möglichkeiten als damals. Ich bin jetzt handlungsfähig. Es ist normal, das alte Gefühle, Ängste und Traumata in Krisensituationen hochkommen. Und die Hinwendung in das Hier und Jetzt empfinde ich als heilsam für mich und meine Umgebung.
Ich fühle, wie es mich berührt, dass jeder auf seine eigene Weise seine persönlichen Herausforderungen vom Leben gestellt bekommt, die ihm vielleicht eine Chance geben, daran zu wachsen und zu heilen. Ich kann es fühlen und sehen, ohne mich zu verlieren. Und dabei spüre ich eine stille Kraft, und die Gewissheit: das Leben geht weiter. Und dabei spüre ich Liebe und Dankbarkeit.
Anneke